Ich sag’s gleich: Ich hab’ keinen Plan. Lebensplan, meine ich.
Die Frage, was ich im Leben (oder – für den Fall, dass es derer mehrere geben sollte – zumindest in diesem Leben) noch erleben möchte, kommt mir seit vielen Jahren ziemlich befremdlich vor. Angeblich müsse man ja ein Haus bauen, ein Kind zeugen und einen Baum pflanzen wollen. Von diesen drei vermeintlich erstrebenswerten Zielen erschiene mir das mit dem Haus ja noch am plausibelsten, aber aus finanziellen Gründen doch so fern meiner Realität, dass ich das eigentlich abgehakt habe – den optionalen Lotto-Gewinn einmal ausser Acht lassend.
Auch die Karriere war noch nie groß ein Thema. Ich kann mich nicht erinnern, mich jemals für einen Job beworben zu haben. Die sind mir immer passiert. Vermutlich war ich einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ob dieses Timing (m)ein Leben lang anhält? Mal schauen.
Meine Ausbildung hingegen war in der Tat ein Ziel und durchgängig geplant, seit jungen Jahren. Was ich damals jedoch nicht wissen konnte, war der Umstand, dass mich meine berufliche Entwicklung so weit von meinem Berufswunsch entfernen würde, dass ich mir die Ausbildung hätte sparen können bzw. dass ich besser ein anderes Studienfach belegen hätte sollen. Dieser eine mir erinnerliche Plan entwickelte sich also nicht so prickelnd.
Die wunderbare Frau an meiner Seite war – bitte nicht falsch verstehen – auch kein Lebensziel. Ich war einfach nicht auf der Suche, eher im Gegenteil. Mit dem Alleinsein hatte ich noch nie ein Problem. (Die Zeitgenossen und -innen, die sich in Beziehungen vor Einsamkeit sicher wähnen, sind sowieso nicht zu beneiden.)
Wir sind uns gewissermaßen passiert und seit vielen Jahren glücklich.
Mir kommt aber vor, ich kenne so viele Leute, die Ziele im Leben verfolgen. Einige von Ihnen haben sogar die zugehörigen Pläne, wie sie die Ziele glauben erreichen zu können.
Daher stellt sich mir die Frage, ob nur mein Leben Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat recht unspektakulär den Weg alles Zeitlichen dahinplätschert, geprägt vorrangig durch diesen ominösen “Alltag”? Verschwende ich hier gerade mein Leben, weil ich auf keine dieser weit verbreiteten Lebensziele hinarbeite?
Nicht dass ich gerade vor hätte mich daran aufzureiben, denn meine Zufriedenheit erachte ich als recht hohes Gut, aber meine grundlegende Planlosigkeit hat mich seit jeher etwas irritiert.
Muss ich einen Porsche haben wollen? x Millionen Euro? Den Kailash umrunden? Australien bereisen? Alle Dreitausender Österreichs besteigen? Das Ungeheuer von Loch Ness finden? Mich sozial engagieren? Wieder ein aktiver Christ werden?
Das macht mich hin und wieder einfach nachdenklich.
PS: Eine Sache gäb’s da schon. Nicht arbeiten müssen und somit tun können, was ich möchte. Für diesen Fall der Fälle kultiviere ich sicherheitshalber bereits seit längerem zwei, drei Ideen. Ich habe auch keinerlei Zweifel daran, dass mir nicht langweilig wird. So gesehen würden die x Millionen Euro sicher helfen, aber als Lebensziel kann das einfach nicht ernsthaft herhalten.
Ich wüsste nämlich nicht, wie ein entsprechender Plan für den Weg dorthin aussehen könnte.