Suche Freude, muss kündigen

Es war einmal – und es mag einige Wochen her gewesen sein – dass mir folgendes zum wiederholten Mal vom wiederholten Mal nicht aus dem Kopf gehen wollte: Dank zweifelhafter Maßnahmen diverser Vorgängerregierungen scheint mir eine Alterspension nicht mehr erreichbar. Und auch wenn: Die Zeit bis dahin ist noch unsagbar lang. Wie kann es da sein, dass ich mich noch länger in einer Konzernstruktur verdinge, deren bizarre Auswüchse ihre eigenen Absurditäten in immer kürzeren Perioden erfolgreich in den Schatten stellt?

Es läuft auf eine Frage hinaus: Was braucht man zum Leben? Dazu könnte zählen:

  • Eine Tätigkeit, die einen mit Freude ausfüllt.
  • Geld um einen grundlegenden Lebensstandard zu gewährleisten.
  • Aber allem voran Zeit um sie seinen Interessen und seinen Mitmenschen widmen zu können.

Je mehr man sich daher in kapitalistitischen Hochburgen verdingt, umso weiter entfernt man sich von “Frei”-Zeit, sinnstiftender Tätigkeit und einem Einkommen, dessen Höhe sich nur mit tatsächlichen Erfordernissen messen muss.

Zugegeben: Alles etwas subjektiv. Aber subjektiv trifft man nun einmal Entscheidungen. Und genau so traf ich auch meine nächste Entscheidung. Kündigen nach 10 Jahren Betriebszugehörigkeit mit dem Vorhaben in die Selbständigkeit und allen zugehörigen Scherereien zu gehen. Aber es werden “meine” Scherereien sein. Und idealerweise auch “meine” Freude. Was für ein Ausblick.

Wie auch immer das Abenteuer Leben weitergeht: Nur keine Scheu vor Veränderungen. Im schlimmsten Fall erkennt man einen Fehler und hat es probiert. Nicht angenehm, aber auch nicht feig. Verflixt, was hab’ ich lang’ dafür gebraucht …

Wer zu oft Ja sagt, kann nicht mehr Nein sagen

Wie ein Freund so treffend formulierte: Irgendwann kommt für etliche Führungskräfte auf der Karriereleiter jene Sprosse, bei deren Betreten das verhängnisvolle „Ja“ zum Aufstieg fällt. Damit ist die betroffene Person dann so hoch angekommen, wie sie es selbst nie für möglich gehalten hätte. Der Abstieg wäre dann schon schmerzlich. Nicht nur in finanzieller Sicht, nein auch in der damit verbundenen, befürchteten sozialen Sicht. Wer weiß, gelingt es einem noch einmal, so hoch heraufzukommen? Man ist vielleicht auch gewisse familiäre Verpflichtungen eingegangen, Nachwuchs ist auch schon da.

Und dann kommt sie zum ersten Mal: Die erste Vorgabe von noch höher oben, deren Umsetzung einem erhebliches Unwohlsein verursacht. Mitarbeiter abbauen, Kosten zum x-ten Mal massiv kürzen, was auch immer.

Man erlebt seine eigene Austauschbarkeit: Wenn man sich nicht um die Umsetzung der gewünschten Vorgaben asap kümmert, wird ein anderer Manager gesucht und – darauf könne man sich verlassen – auch zu günstigeren Konditionen umgehend gefunden; natürlich ruht volles Vertrauen auf einem, aber – nun ja, es gäbe eben immer Optionen.

Man schläft mittlerweile auch eher weniger gut. Das restliche Gewissen meldet sich unangenehm oft.

Wenn man der/die richtige ist, endet diese Phase in Bälde und man arrangiert sich. Die professionell gute Miene zum fremdbestimmten Spiel wird auf Abruf verfügbar. Wenn man selbst die Kündigungen, Kürzungen etc. nicht umsetzt, macht’s eben ein anderer. Daher sagt man „ja“.

Denn „nein“ ist keine Alternative.

Nie wieder.

Auch kein kleiner Preis für üppiges Schmerzensgeld und das Wissen, dass weiter oben die Wiesen immer noch grüner und für einen selbst dennoch nicht erreichbar sind.
Ausser vielleicht man sagt ausreichend oft und hinreichend schnell “ja”.

Acht Regeln für eine Revolte

Seit vielen Jahren – gefühlt über zehn, aber die Zeit vergeht ja verflixt schnell, daher: wer weiß – freue ich jedes Monat, wenn die aktuelle Ausgabe von brand eins ihren Weg in meinen Postkasten gefunden hat und ich wieder ein paar Wochen mit Lesestoff versorgt bin.
brand eins kann ich nur bedächtig lesen. Ich will es nicht verschwenden.

Ein Artikel begleitet mich seit nunmehr neun Jahren und heisst “Acht Regeln für eine Revolte“. Nein, es ist kein Aufruf zur Gewalt. Vielmehr proklamiert dieser Artikel acht Themen, ohne die es schlichtweg nicht möglich ist, berufliche Aufgaben “gut” zu erledigen. Und wenn es etwas wert ist getan zu werden, sollte es ja bekanntlich gut gemacht werden.

Es dreht sich dabei unter anderem darum herauszufinden, was man wirklich will, sich dafür dann auch wirklich die nötige Zeit zu nehmen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und nicht lange herumzufackeln sondern es dann einfach zu tun und irgendwo damit anzufangen.

Perfektion ist unerreichbar. Aber am sichersten kann Perfektion dann nicht erreicht werden, wenn aus Furcht vor der falschen Entscheidungen “sicherheitshalber” überhaupt nicht begonnen wird.

Alle paar Jahre ist es ratsam, sich mit dem Inhalt der erwähnten acht Regeln auseinanderzusetzen. Zumindest mir scheint es gut zu tun. Immerhin werden diese einfachen und in sich höchst effizienten Gedankengänge in täglich erlebten Konzernstrukturen laufend aufs Neue zum Schaden ganzer Heerscharen an Kunden und Mitarbeitern konterkariert.

Daher tut eine periodische Rückbesinnung einfach Not.

Lachhafte Kunden

Im Normalfall vermutlich eher übel, aber hin und wieder darf man sich auch einmal herzhaft über Kunden amüsieren. Immerhin handelt es sich bei manchen Exemplaren ja um Kunden aus der Hölle.

Steuermann Ego

Ein Freund eines Freundes hat einen Freund der jemanden kennt, der in einem größeren Unternehmen arbeitet. (Das muss ich jetzt zwar noch einmal kurz nachzählen, aber ja, das sollte so in etwa stimmen.)

Angeblich werden dort „Werte“ groß geschrieben. Nicht weil das Rechtschreibbewusstsein dort mit Volksschulniveau mithalten kann, nein, viel eher da nämliche Werte quasi eine zwingende Konsequenz der Unternehmenskultur wären.

Ich finde es beneidenswert, wenn eine Unternehmenskultur derart tief verankert ist, dass die Werte bloß noch auf ein Blatt Papier geschüttelt werden müssen.

Gar nicht auszumalen, wie es im gegenteiligen Fall sein müsste, wenn man versuchte, eine Vereinheitlichung der Unternehmenskultur herbeizuführen, indem zuerst eine Hand voll gekünstelter Wertebegriffe von zentraler Stelle in eine Richtlinie gegossen und dann Mitarbeitern eindoktriniert werden, aufdass diese sie zu ihren täglich gelebten „Werten“ machen mögen, oder? Nein, letzteres kann gar nie nicht vorkommen. Und gottlob schon gar nicht in dem eingangs genannten Unternehmen, in dem dieser Bekannte eines Freundes von dem erwähnten Freund tätig ist.

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Veni, vidi, vici. Boni für die Strizi?

Seit langem stehen Bonuszahlungen im Generellen, für Spitzenmanager aber im Speziellen im Kreuzfeuer der Kritik.

Zusätzlich wird fleißig bemängelt, dass die zu Krisenbeginn in 2008 als unausweichlich erkannten und von vielen Seiten angekündigten Änderungen am System sich zwischenzeitlich für alle etwaig Betroffenen in Wohlgefallen aufgelöst zu haben scheinen.

Neidgesellschaft, die wir offenbar gerne sind, ohne dass wir das jemals zugeben würden, tun wir uns scheinbar recht leicht, zumindest argumentativ gegen Managerbonifikationen ins Feld zu ziehen.
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Innovation schafft Arbeit

Gemäß einer Behauptung des Salzburger ÖVP-Politikers Dr. Wilfried Haslauer in ECHO würde Innovation Arbeit schaffen. Das hat mich stutzig werden lassen. Kann das tatsächlich der Fall sein?

Innovation im Sinn von wirtschaftlicher oder technologischer Weiterentwicklung hat grundlegend doch immer den Zweck, eine Verbesserung einer bestehenden Situation herbeizuführen. Seien es Abläufe oder Produktionsverfahren (Roboter in der Fertigung) oder grundlegend neue Möglichkeiten, wie es z.B. E-Mail in der Kommunikation war.
Sie tritt eigentlich immer als Zwilling der Effizienzsteigerung auf. (Effizienzmindernde Erfindungen würden es wohl nicht bis zur Wirksamkeit als Innovation schaffen.)

Daher stellt sich mir die Frage: Wenn Innovation bestehende Abläufe effizienter und daher mit weniger Arbeitseinsatz bewerkstelligbar werden lässt, wie kann sie da in einem größeren Zusammenhang Arbeit schaffen? Dass regional innovative Betriebe florieren mögen; gut. Aber deren Produkte führen anderswo doch zwangsläufig zu einer Verminderung der bisher erforderlichen Arbeitsleistung?

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Ideen zur Arbeitsumgebung

Da gibt es Forschungseinrichtungen (bspw. die IBM Innovation Centers in Barcelona), die sich ausschließlich mit dem “Büro von morgen” beschäftigen. Ich hab’s schon längst gefunden: Das Zugabteil.

Die vorbeiziehende Landschaft, die Weite der Aussicht; in Summe ist das der Konzentration immens förderlich. Und irgendwann wird ja wohl eine flächendeckend brauchbare Unterstützung von mobilem Breitband und GSM-Empfang technisch zustande zu bringen sein. Ab diesem Zeitpunkt sollte man sich etwas mehr “auf Bahnreise” begeben. Immer wieder sehr produktiv. Und dabei gleichzeitig entspannend.

Ein derartiges Büro auf Schienen kostet pro Jahr (warm) übrigens schlimmstenfalls € 2.290,- (ÖSTERREICHcard Classic, 1. Klasse). Zugegebenermaßen muss man hin und wieder die Anwesenheit wildfremder Menschen tolerieren, aber diese sind eigentlich zumeist sehr zahm und stören nicht weiter. Vor diesem Hintergrund scheint doch wirklich die Frage angebracht, ob die ÖBB dem – ob der hier präsentierten Erkenntnisse – zwangsläufig zu erwartenden Ansturm mobiler Büronomaden gerüstet sein werden?

Für mich ist es heute übrigens wieder soweit. Ich freu’ mich schon. ;-)

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