Suche Freude, muss kündigen

Es war einmal – und es mag einige Wochen her gewesen sein – dass mir folgendes zum wiederholten Mal vom wiederholten Mal nicht aus dem Kopf gehen wollte: Dank zweifelhafter Maßnahmen diverser Vorgängerregierungen scheint mir eine Alterspension nicht mehr erreichbar. Und auch wenn: Die Zeit bis dahin ist noch unsagbar lang. Wie kann es da sein, dass ich mich noch länger in einer Konzernstruktur verdinge, deren bizarre Auswüchse ihre eigenen Absurditäten in immer kürzeren Perioden erfolgreich in den Schatten stellt?

Es läuft auf eine Frage hinaus: Was braucht man zum Leben? Dazu könnte zählen:

  • Eine Tätigkeit, die einen mit Freude ausfüllt.
  • Geld um einen grundlegenden Lebensstandard zu gewährleisten.
  • Aber allem voran Zeit um sie seinen Interessen und seinen Mitmenschen widmen zu können.

Je mehr man sich daher in kapitalistitischen Hochburgen verdingt, umso weiter entfernt man sich von “Frei”-Zeit, sinnstiftender Tätigkeit und einem Einkommen, dessen Höhe sich nur mit tatsächlichen Erfordernissen messen muss.

Zugegeben: Alles etwas subjektiv. Aber subjektiv trifft man nun einmal Entscheidungen. Und genau so traf ich auch meine nächste Entscheidung. Kündigen nach 10 Jahren Betriebszugehörigkeit mit dem Vorhaben in die Selbständigkeit und allen zugehörigen Scherereien zu gehen. Aber es werden “meine” Scherereien sein. Und idealerweise auch “meine” Freude. Was für ein Ausblick.

Wie auch immer das Abenteuer Leben weitergeht: Nur keine Scheu vor Veränderungen. Im schlimmsten Fall erkennt man einen Fehler und hat es probiert. Nicht angenehm, aber auch nicht feig. Verflixt, was hab’ ich lang’ dafür gebraucht …

Von einem unglücklichen Wegbegleiter

Mit dem Loslassen im Generellen ist es so eine Sache; scheint es mir. Wie das Leben so zeigt: wohl nicht nur mir. Wo das zwischenmenschliche Loslassen eine ganz besondere Herausforderung ist, vor die man oftmals unwillkürlich gestellt wird, kann das dingliche Loslassen ein Quell erheblicher Ruhe und Zufriedenheit im Leben sein.

Unabhängig davon, ob es um die Bestseller-basierte Variante “Simplify your Life” geht, oder einfach nur einen Artikel im aktuellen Stern Nr. 43 / 2010 mit dem Titel “Ein Aufräumberater sorgt für mehr Platz im Haus”.

Und schon finde ich mich mitten im Ausmisten. Bis ich auf eine beinahe 10 Jahre alte Ansichtskarte von Freunden stoße, die mich wohl weitere 10 Jahre begleiten wird (und die Freunde hoffentlich auch). Der Grund, weshalb ich an der Karte festhalten werde, ist schlichtweg das Motiv: Das Gemälde “The Miserable Man” von Martin Bigum:

Man muss ja netterweise nicht alles loslassen.
Zumindest noch nicht.

Wohin geht die Reise?

Ich sag’s gleich: Ich hab’ keinen Plan. Lebensplan, meine ich.

Die Frage, was ich im Leben (oder – für den Fall, dass es derer mehrere geben sollte – zumindest in diesem Leben) noch erleben möchte, kommt mir seit vielen Jahren ziemlich befremdlich vor. Angeblich müsse man ja ein Haus bauen, ein Kind zeugen und einen Baum pflanzen wollen. Von diesen drei vermeintlich erstrebenswerten Zielen erschiene mir das mit dem Haus ja noch am plausibelsten, aber aus finanziellen Gründen doch so fern meiner Realität, dass ich das eigentlich abgehakt habe – den optionalen Lotto-Gewinn einmal ausser Acht lassend.

Auch die Karriere war noch nie groß ein Thema. Ich kann mich nicht erinnern, mich jemals für einen Job beworben zu haben. Die sind mir immer passiert. Vermutlich war ich einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ob dieses Timing (m)ein Leben lang anhält? Mal schauen.
Meine Ausbildung hingegen war in der Tat ein Ziel und durchgängig geplant, seit jungen Jahren. Was ich damals jedoch nicht wissen konnte, war der Umstand, dass mich meine berufliche Entwicklung so weit von meinem Berufswunsch entfernen würde, dass ich mir die Ausbildung hätte sparen können bzw. dass ich besser ein anderes Studienfach belegen hätte sollen. Dieser eine mir erinnerliche Plan entwickelte sich also nicht so prickelnd.

Die wunderbare Frau an meiner Seite war – bitte nicht falsch verstehen – auch kein Lebensziel. Ich war einfach nicht auf der Suche, eher im Gegenteil. Mit dem Alleinsein hatte ich noch nie ein Problem. (Die Zeitgenossen und -innen, die sich in Beziehungen vor Einsamkeit sicher wähnen, sind sowieso nicht zu beneiden.)
Wir sind uns gewissermaßen passiert und seit vielen Jahren glücklich.

Mir kommt aber vor, ich kenne so viele Leute, die Ziele im Leben verfolgen. Einige von Ihnen haben sogar die zugehörigen Pläne, wie sie die Ziele glauben erreichen zu können.

Daher stellt sich mir die Frage, ob nur mein Leben Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat recht unspektakulär den Weg alles Zeitlichen dahinplätschert, geprägt vorrangig durch diesen ominösen “Alltag”? Verschwende ich hier gerade mein Leben, weil ich auf keine dieser weit verbreiteten Lebensziele hinarbeite?
Nicht dass ich gerade vor hätte mich daran aufzureiben, denn meine Zufriedenheit erachte ich als recht hohes Gut, aber meine grundlegende Planlosigkeit hat mich seit jeher etwas irritiert.

Muss ich einen Porsche haben wollen? x Millionen Euro? Den Kailash umrunden? Australien bereisen? Alle Dreitausender Österreichs besteigen? Das Ungeheuer von Loch Ness finden? Mich sozial engagieren? Wieder ein aktiver Christ werden?

Das macht mich hin und wieder einfach nachdenklich.

PS: Eine Sache gäb’s da schon. Nicht arbeiten müssen und somit tun können, was ich möchte. Für diesen Fall der Fälle kultiviere ich sicherheitshalber bereits seit längerem zwei, drei Ideen. Ich habe auch keinerlei Zweifel daran, dass mir nicht langweilig wird. So gesehen würden die x Millionen Euro sicher helfen, aber als Lebensziel kann das einfach nicht ernsthaft herhalten.
Ich wüsste nämlich nicht, wie ein entsprechender Plan für den Weg dorthin aussehen könnte.

Bewegung? Nein, danke!

Ich bin ein ganz besonderer Mensch und daran bestand noch nie ein Zweifel. Nonaned.

Aber manchmal gibt es Tage, an denen ich mich eher absonderlich fühle, vor allem im Vergleich mit anderen. Wo es in einem Werbespot aus grauer Vorzeit noch hieß “Der Vergleich macht Sie sicher“, so bin ich mir diesbezüglich da jetzt gar nicht mehr so sicher. Manchmal sollte eventuell der Vergleich vielmehr unterbleiben, da im Vergleich gerade die Ursache für so manches persönliche Unglück zu liegen scheint. (Solange man nicht weiß, dass der faule Arbeitskollege aus dem Nachbarbüro ein höheres Gehalt bezieht als man selbst, ist es viel leichter mit dem eigenen Gehalt zufrieden zu sein.)

Der Großteil der mir bekannten Menschen liebt Bewegung und ist gern in der freien Natur unterwegs. Viele radeln liebend gern über Stock und Stein in schwindelerregende Höhen hinauf, andere wiederum klettern oder tun nichts lieber als ihre Gärten hegen und pflegen oder jeden Winkel der Erde erkunden. Aber ich, der ich am liebsten meine Ruhe habe und dem Konzept Bewegung per se schlichtweg nichts abgewinnen kann (bis auf die vereinzelte Runde Tennis, welche als Ausnahme die Regel zu bestätigen scheint) halte mich nach aussen hin gern an das vermeintliche Zitat von Winston Churchill: “No Sports!
Aber innerlich nagt das schlechte Gewissen zugegebenermaßen schon mit wechselhafter Intensität an mir herum.

Als Zwischenerfolg kann der Erwerb und die – erwartungsgemäß – folgende Phase intensiver Nutzung meines Ergometers betrachtet werden. Die Wochen der regelmäßigen Nutzung waren echt nicht schlecht. Dann kam der befürchtete Nutzungsknick. Seither habe ich ein Mahnmal hier herumstehen. Und ja, dieses Mahnmal musste auch bereits die Schmach ertragen als Kleiderständer herhalten zu müssen.

Aber ich will hier nicht lamentieren. Einerseits bin ich ein Bewegungsmuffel, eine faule Sau. War ich immer und werde ich befürchtungsweise immer sein. Dachte ich bis heute und wähnte mein bewegungsarmes Leben schon recht in Ordnung. Dass es besser, aktiver, vitaler ginge, war klar, aber – hey! – wer ist schon perfekt? (Wenn es bloß nicht gar so leicht wäre, sich selbst zu überzeugen …)

Aus einer Laune heraus befragte ich Tante Google nach “Bewegungsmangel Folgen Ausweg” und stieß auf  diesen Überblick. Es steht zu bezweifeln, dass es mir damit nun besser geht, denn die Frage ist immer noch offen, wie man Freude an Bewegung findet. Aber lasst mich raten: Dafür gibt es keine Patentlösung, das ist jedem seine Sache?
*gngngn*

Ein Fischer am Capitol in Athen.

April #1

Wir haben einen neuen Bundespräsidenten. Es ist der alte.
Was für eine Überraschung. Yeah.

April #2

Griechenland ist angeblich pleite, benötigt internationale Finanzhilfe im Ausmaß von weniger als einem jährlichen Budgetdefizit Deutschlands und muss dafür nicht nur quasi einen Offenbarungseid leisten, nein, darüber hinaus muss Griechenland auch noch all jene Sparmaßnahmen „sofort“ umsetzen, welche in anderen EU-Nationen in Wahlkampfzeiten gebetsmühlenartig angekündigt werden um nach Wahlen mit schlafwandlerischer Sicherheit wieder in der Versenkung zu verschwinden. Ich will nicht so sein: Sagen wir, sie werden halbherzig angegangen, oder – da immer etwas dringenderes dazwischenkommt – auf die längere Bank geschoben. Weil Sparen ist eben doch eher lästig, denn man befindet sich ja immer irgendwie im Wahlkampf und da kommen unangenehme – Wähler verschreckende – Maßnahmen wie Verwaltungsreformen mit einhergehenden Personalreduktionen im Staatsapparat einfach viel zu selten wie gerufen.

April #3

Die Anhörung der Goldman Sachs Leute vor dem Senatsausschuss am 27. April war spannender als so mancher Krimi. Nicht, dass die Senatoren erfolgreich den Eindruck vermitteln hätten können, die Abläufe und Zusammenhänge der inkriminierten CDOs erfasst zu haben, geschweige denn die genauen Aufgaben von Börsenmaklern verstanden zu haben, viel eher schien die öffentliche Befragung im Sinn einer „peinlichen Befragung“ im Vordergrund zu stehen.

Dass natürlich keiner der Befragten gemäß Selbsteinschätzung etwas falsch gemacht hat bzw. der Meinung ist, ethisch zweifelhafte Entscheidungen getroffen zu haben oder auch nur in irgendeiner Art und Weise die Finanzkrise mitzuverantworten, versteht sich von selbst. Sie haben die Ihnen gestellten Aufgaben als Börsenmakler nach bestem Wissen und Gewissen erfüllt.

Ein Attentäter würde vermutlich in einer Selbsteinschätzung ähnlich antworten. Wenn er ein guter Vertreter seiner Zunft ist, seine Aufträge zur Zufriedenheit seiner Kunden erledigt, dann hat er keinen Fehler begangen. Was den Attentäter mit dem Börsenmakler verbindet ist – und darauf hätte der Senatsausschuss hinauslaufen können – inwiefern die Berufswahl den ursächlichen Fehler darstellt. Dass man in der Folge den einmal gewählten Beruf bestmöglich erledigen möchte, ist per se wenig verwerflich.

Aber immerhin: Die Burschen „stehen zu ihrer Verantwortung“. Was auch immer das heißen mag. Im Unterschied dazu wird ein Attentäter möglicherweise zur Verantwortung gezogen. Aber das könnte diesen Herren ja nun auch passieren.
Vielleicht wären sie besser Zuckerbäcker geworden. Das hätte viele Menschen vor einer Menge Schaden bewahrt, aber wohl weit mehr Menschen eine Menge Reichtum gekostet.

Frühlingswetter

""Langsam wird das Wetter ja wieder ganz annehmbar. Die Natur beginnt ähnlich explosionsartig zu blühen, wie die Wirtschaft es nach der angeblichen Weltwirtschafts- oder auch Finanzkrise vorgemacht hat. Inwiefern die Lehren, welche aus der Finanzkrise zu ziehen oftmals eingemahnt wurde, ansatzweise auch nur gedacht, geschweige denn umgesetzt werden, dürfte sich am Beispiel des Hedgefondsmanagers David Tepper mit seinen koportierten 4 Mrd. USD Einkommen für das Jahr 2009 ganz gut ablesen lassen.

Neiddiskussion hin, Herrn Teppers Spekulationsgeschick her: Wenn 11 Mio. USD pro Tag als Ergebnis eines kulturellen Wandels im globalen Wirtschaften zu verstehen sein sollen, dann haben da einige womöglich etwas noch nicht ganz verstanden.

Macht aber auch nichts, denn immer überschlagen sich die Bilanzpressekonferenzen der ach so krisengeschüttelten Banken ja auch in unreflektierter Selbstbeweihräucherung der jeweiligen Rekordgewinne.

Ein Schelm, wer dabei etwas böses denkt.

Schmähstad

In den letzten Tagen sind mir gewissermaßen etwas die Worte abhanden gekommen.

Inwiefern mir das zu Denken geben sollte und zu welchem allfälligen Ergebnis eben dieses potentielle Denken geführt haben wird, werde ich in geeigneter Form (nolens volens: hier) kundtun. Wenn sich denn dann – sofern überhaupt – die entsprechende Situation ergeben sollte.

Aber wer weiß, vielleicht mag ich mich einfach nicht mehr darüber aufregen, was sich um mich herum an bis dato aufregenswertem derzeit zuträgt?

Hm.
Nein, das wohl nicht.

Ich tippe viel eher darauf, dass ich es in Anbetracht der vielen Aufregungspotentiale derzeit einfach nicht schaffe, mich auf einige wenige zu fokussieren und daher in eine gewisse “Aufregungsstarre” verfallen bin. Wenn sich das wieder gelöst hat, dann werde ich mich auch wieder auf eins nach dem anderen konzentrieren können und meine Meinung dazu herausverbalisieren können.

Bis dahin schau’ ich mir einfach noch ein paar Tage an, was dieser schmähstade Zutand mit mir macht.

Aufgegeben wird ein Brief

Der heute im Tagesspiegel erschienene Kommentar “Die Krise – ein Schauspiel der Ohnmacht” liefert ein Resumée der vergangenen Finanzkrisenmonate, das sich gewaschen hat. Nicht zuletzt hinsichtlich des politischen Handtuchs, welches trotz vollmundiger Ankündigungen dann dennoch derart willfährig in den Ring geworfen wurde.

Ergänzend möchte ich dann eigentlich nur noch Erich Kästner zitieren:

An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun,
sondern auch die, die ihn nicht verhindern. (Erich Kästner)

Das Konzept der “Delegation nach oben” mag zwar einladend, aber bei weitem nicht immer sinnvoll sein; vor allem dann nicht, wenn “oben” dann dermaßen auf ganzer Linie gekniffen wird.

Daher darf man einfach nie vergessen, dass jede/r einzelne selbst auch in der Pflicht steht, die Welt zu verändern.
Jeden Tag ein kleines Stück. Wozu gibt’s denn sonst eine “Einflusssphäre”?

Aufgegeben wird ein Brief.

Schönwettertag

Also, ja. Letztens waren’s schon einige Tage mit so-lala-em Wetter. Es ist aber bitteschön auch Winter. Da darf es das auch. Und überhaupt: Ich kann halbschönes bis eherschlechtes Wetter locker leiden. Saumäßiges Wetter kann ich auch zeitweilig mögen, das kommt auf die allgemeine Befindlichkeit an. Je besser diese, desto schlechter das damit kompensierbare Wetter.

""

Mir dräut jedoch, dass mit dem heutigen Schönwettertag nun wieder der aufziehende Überhang an Schönwettertagen eingeläutet wurde. Verflixt. Ich werde da nämlich regelmäßig von einer mir grundsätzlich wohlgesonnenen wiewohl angetrauten Person hinaus ins schöne Wetter gescheucht.
Dass das diesjährige Höhlenleben sich somit seinem Ende zuneigt muss ich erst noch verdauen.
Dann erst kann der Frühling kommen.
Keinesfalls früher.

Wehe!

25 Jahre IT

Vor ziemlich genau einem viertel Jahrhundert nahm der erste PC bei mir Einzug. Grund genug, kurz etwas innezuhalten und zurückzublicken.

Ha! Nicht, dass er die damals übliche “Luxusausstattung” zweier 5 ¼ Zoll Diskettenlaufwerke besessen hätte, nein, “er” (ein Olivetti M19) wartete mit einer 20 MB großen Festplatte auf. Richtig gelesen: 20 Megabytes. Das ist jene Datenmenge, von der heute jeder geschenkte USB-Stick locker das 100-fache unterbringt. Der Hauptspeicher umfasste sagenhafte 640 KB und der Prozessor war ein Intel 8088 mit 4,77 MHz.
Farbdisplay? Fehlanzeige. Mehr von diesem Artikel lesen

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